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Whippet: Der elegante Windhund im Porträt – Pflege, Wesen, Tipps

Der Whippet: Drinnen geriatrisches Reh, draußen Sprintwunder. Warum die meisten Halter völlig falsche Vorstellungen haben – und was die Rasse wirklich braucht.

Whippet: Der elegante Windhund im Porträt – Pflege, Wesen, Tipps

Ein Windhund, der auf dem Sofa aussieht wie ein geriatrisches Reh und draußen auf dem Feld einen Hasen in vier Sekunden einholt. Das ist der Whippet. Und genau diese Doppelnatur führt dazu, dass ich wöchentlich Mails von Leuten bekomme, die völlig falsche Vorstellungen von der Rasse haben. Die einen wollen einen "kleinen Greyhound für die Wohnung". Die anderen glauben, so ein Hund müsse täglich zehn Kilometer laufen. Beides stimmt nicht.

Ich züchte seit neun Jahren Whippets, drei Würfe bislang, und ich habe in dieser Zeit mehr über die Rasse gelernt, als mir lieb ist. Vor allem durch Fehler. Ich hatte mal einen Welpenkäufer, der seinen Rüden nach drei Wochen zurückgeben wollte, weil der Hund "kaputt" sei. War er nicht. Der Halter hatte ihn einfach wie einen Labrador behandelt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Whippet ist ein Sprinter, kein Ausdauersportler — kurze, intensive Einheiten bringen mehr als lange Spaziergänge.
  • Männliche Whippets erreichen 47 bis 51 cm Schulterhöhe, Hündinnen 44 bis 47 cm.
  • Der Jagdtrieb ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt, aber nie vollständig wegzuerziehen.
  • Die Rasse ist kälteempfindlich — unter 10 Grad braucht sie einen Mantel.
  • Gesundheitliche Risiken wie Stressfrakturen und Augenerkrankungen sind real und sollten bei der Züchterwahl eine Rolle spielen.
  • Die Anschaffung kostet beim seriösen Züchter meist zwischen 1.200 und 1.800 Euro.

Whippet: die Rasse, die zwei Leben lebt

Kaum ein Hund führt ein so widersprüchliches Dasein. Drinnen ein Wesen, das so viel schläft, dass Gäste schon gefragt haben, ob mit dem Tier etwas nicht stimme. Draußen, wenn die Bedingungen passen, ein Geschoss.

Woher der Whippet kommt

Der Whippet entstand im 19. Jahrhundert im Norden Englands, in den Industrieregionen um Lancashire und Yorkshire. Bergarbeiter und Fabrikarbeiter kreuzten den größeren Greyhound mit kleineren, wendigen Terriern. Das Ergebnis war ein Hund, der in einen kleinen Garten passte, wenig fraß und trotzdem schnell genug war, um am Sonntag ein Kaninchen zu fangen.

Der Name leitet sich vermutlich vom englischen "to whip" ab — peitschen, wegen der Art, wie diese Hunde sich über die Bahn bewegen. Zwei Nutzungen prägten die Rasse damals: der Hasenhetze auf freiem Feld und dem Rattenfangen in den Hinterhöfen der Arbeiterviertel. Beides erklärt, warum der Whippet bis heute so extrem auf Bewegung reagiert.

Die FCI führt die Rasse in Gruppe 10, Sektion 3, Standard Nummer 162, Ursprungsland Großbritannien.

Whippet Größe und Gewicht

Hier wird es konkret. Die Schulterhöhe liegt bei Rüden zwischen 47 und 51 Zentimetern, bei Hündinnen zwischen 44 und 47 Zentimetern. Beim Gewicht gibt der Standard bewusst keine Zahl vor — und das ist der Punkt, an dem viele Rasseporträts falsch abbiegen.

Ein gesunder Whippet wiegt je nach Größe meist zwischen 8 und 14 Kilogramm. Meine Hündin Ivy bringt 9,4 Kilo auf die Waage und sieht dabei völlig normal aus. Ein Bekannter mit einem Rüden aus Showlinie hat 15,5 Kilo. Richtig ist weder die eine noch die andere Zahl allein — richtig ist, dass Sie am Brustkorb und an den Sichtknochen prüfen, nicht an der Küchenwaage. Ein bisschen Rippe muss tastbar sein, nicht sichtbar.

Whippet Langhaar: gibt es das?

Kurz: nein, zumindest nicht als anerkannte Variante. Der Standard schreibt ein feines, kurzes, dichtes Fell vor. Es gibt gelegentlich Hunde mit leichter Unterwolle oder etwas längerer Behaarung an Ohren und Rute, aber ein "Langhaar-Whippet" als eigene Zuchtlinie existiert in der seriösen FCI-Zucht nicht.

Was ich allerdings sehe, seit ich vor einigen Jahren auf einigen Plattformen unterwegs war: Anzeigen, die einen Langhaar-Whippet anbieten. Fast immer sind das Mischlinge, meist Whippet-Saluki oder Whippet-Bedlington-Terrier. Völlig legitime Hunde, aber eben keine Whippets. Wer einen solchen Hund als reinrassig verkauft, arbeitet unsauber. Punkto.

Whippet Charakter — und was das im Alltag bedeutet

Der Whippet gilt als sanft, anpassungsfähig und stark menschenbezogen. Das trifft zu. Aber "anpassungsfähig" wird in fast jedem Rasseporträt so gelesen, als könne man den Hund beliebig formen. Das ist der teure Irrtum.

Whippet Charakter — und was das im Alltag bedeutet

Der Sprinter-Mythos

Ja, ein Whippet erreicht über kurze Distanzen bis zu etwa 65 km/h. Nein, das heißt nicht, dass er täglich sprinten muss. Diese Geschwindigkeit hält er wenige Sekunden. Der Rest seines Tages ist Schlaf.

Ich habe am Anfang denselben Fehler gemacht. Zwei Stunden Gassi pro Tag, weil ich dachte, ein Windhund braucht das. Das Ergebnis war ein Hund, der abends überdreht war, an Möbeln nagte und mich anstarrte. Zu viel Bewegung macht einen Whippet nicht müde, sondern hibbelig. Heute laufen meine Hunde 45 bis 60 Minuten am Tag, davon zehn Minuten Freilauf mit Vollgas. Seitdem sind sie abends ruhig.

Drei Dinge brauchen Whippets wirklich:

  • Kurze, intensive Bewegungsphasen — nicht endlose Spaziergänge
  • Reizarme Rückzugsorte, an denen sie ungestört schlafen können
  • Konsequente, ruhige Führung, nicht Härte

Whippet: Windhund oder Jagdhund?

Die Einordnung als Windhund sagt etwas über den Körperbau, nicht über den Charakter. Der Whippet jagt auf Sicht — er reagiert auf Bewegung, nicht auf Geruch. Ein Hase, der 300 Meter entfernt über ein Feld läuft, ist für ihn sichtbar. Eine Fährte ist für ihn irrelevant.

Daraus folgt die wichtigste praxisrelevante Konsequenz überhaupt: Der Rückruf ist bei dieser Rasse immer fragil. Nicht, weil der Hund bösartig wäre, sondern weil der Reiz die Erziehung schlicht übersteuert. Ich kenne zwei Whippets, die auf Zuruf sofort kommen — beide sind mit Schleppleine und Schleppfutter über zwei Jahre aufgebaut worden. Die restlichen zwölf, die ich kenne, kommen meistens. Meistens reicht bei einem Sichtjäger aber nicht.

Mein Ratschlag: Freilauf nur in eingezäunten, überschaubaren Bereichen. Oder mit Schleppleine. Wer das nicht akzeptieren kann, sollte keine Sichtjäger-Rasse wählen.

Whippet und Katzen — funktioniert das?

Es kann funktionieren, und zwar gut, wenn die Vergesellschaftung früh passiert. Ein Welpe, der mit einer Katze aufwächst, lernt in der Regel, sie als Familienmitglied und nicht als Beute zu betrachten. Bei erwachsenen Whippets, die nie eine Katze gesehen haben, ist das Risiko hoch. Ich habe das einmal versucht und es ging zwei Wochen gut, dann ist der Rüde auf die Katze meiner Schwester losgegangen. Nichts passiert, aber es war knapp.

Falls Sie also überlegen: holen Sie den Whippet als Welpen zur Katze, nicht die Katze zum erwachsenen Whippet.

Whippet kaufen: worauf Sie achten sollten

Der Markt ist unübersichtlich. Es gibt seriöse VDH-Züchter, es gibt Hobbyzüchter ohne Papiere, und es gibt die Kategorie, die ich lieber nicht beschreibe. Der Preisunterschied ist erheblich, der Qualitätsunterschied noch mehr.

Whippet kaufen: worauf Sie achten sollten
Bezugsweg Preisrahmen Was Sie dafür bekommen
VDH-Züchter mit Papieren 1.200 bis 1.800 € Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere, Ahnentafel, Aufzucht unter kontrollierten Bedingungen
Hobbyzucht ohne Papiere 600 bis 1.000 € Weniger Transparenz, Gesundheitstests oft nicht vorhanden
Auslandstierschutz 250 bis 500 € Schutzgebühr Hund mit unbekannter Vorgeschichte, oft traumatisiert
Vermehrer, Kleinanzeigen 300 bis 700 € Ich rate ausdrücklich ab

Whippet Welpen: Gesundheit ist kein Detail

Der Whippet ist insgesamt eine robuste Rasse. Er ist aber nicht frei von Problemen, und diese Probleme werden in den meisten Rassebeschreibungen schlicht weggelassen.

  • Stressfrakturen an den Pfoten und Zehen — die häufigste Verletzung bei jungen, überdrehten Hunden auf hartem Untergrund
  • Linsenluxation, bei der sich die Augenlinse verschiebt. Schmerzhaft, oft operativ zu behandeln
  • Herzerkrankungen, insbesondere Mitralklappenprobleme im höheren Alter
  • Empfindlichkeit gegenüber Narkose — ein Punkt, der bei jeglicher Operation mit Ihrer Tierärztin besprochen werden muss
  • Myopathien, also Muskelstoffwechselstörungen, die in einzelnen Linien vorkommen

Fragen Sie beim Züchter konkret nach Augenuntersuchungen und Herzecho der Elterntiere. Wer bei diesen Fragen ausweicht, hat einen Grund dafür.

Ich habe vor vier Jahren einen Wurf abgegeben, bei dem ich zwei Interessenten abgelehnt habe. Einer davon wollte einen "günstigeren" Welpen ohne Papiere, weil er "ja nur einen Familienhund" wolle. Das ist in Ordnung — aber dann bitte zu einem verantwortungsvollen Züchter ohne Papiere und nicht zu jemandem, der zwei Würfe pro Jahr produziert und die Hündin nie röntgen lässt.

Whippet in Not

Es gibt sie, die erwachsenen Whippets, die ein neues Zuhause suchen. Meist junge Rüden, die zu schnell gewachsen sind und vom überforderten Halter abgegeben werden. Oder Hunde aus Beschlagnahmungen.

Was ich dazu aus eigener Erfahrung sagen kann: Ein erwachsener Whippet aus zweiter Hand kann ein fantastischer Begleiter sein. Aber er bringt Gepäck mit. Wer einen solchen Hund aufnimmt, sollte die ersten Monate mit Schleppleine und in ruhigen Gebieten arbeiten. Und wer einen Zweithund plant: nicht jeder erwachsene Whippet verträgt sich mit anderen Hunden. Bei meiner ersten Pflegehündin hat es vier Wochen gedauert, bis sie sich mit meinem Rüden arrangiert hat.

Whippet Haltung: die unbequeme Wahrheit

Der Whippet passt in eine Wohnung. Er ist leise, bellt selten, ist sauber und bellt nicht bei jedem Geräusch. Aber es gibt drei Dinge, die Sie vorher wissen sollten.

Kalt ist ein Problem

Whippets haben kaum Körperfett und ein dünnes Fell. Ich habe noch keinen Whippet getroffen, der bei Temperaturen unter 10 Grad entspannt war. Ein gut sitzender Mantel ist keine Modeerscheinung, sondern notwendig. Meine Hündin trägt von Oktober bis April einen gefütterten Mantel. Bei Frost zusätzlich einen Pullover darunter.

Drinnen brauchen sie außerdem einen erhöhten, zugfreien Schlafplatz. Ein dünnes Kissen auf kalten Fliesen ist für diese Hunde nicht ausreichend.

Alleinbleiben geht, aber…

Whippets sind extrem menschenbezogen. Vier Stunden Alleinsein sind für einen gut aufgebauten Hund vertretbar. Sechs Stunden brauchen Training. Ganztägiges Alleinsein über acht Stunden hinweg halte ich für falsch — nicht tierquälerisch im strengen Sinne, aber für diese Rasse ungeeignet. Ich kenne mehrere Whippets, die nach sechs Stunden allein anfangen, Türen zu zerkratzen, und ich habe noch keinen getroffen, der sich daran gewöhnt hat.

Wenn Sie Vollzeit arbeiten und keine Betreuung haben: suchen Sie sich eine andere Rasse.

Whippet Auslauf und Sport

Whippets eignen sich hervorragend für Sportarten, die auf kurze Sprints ausgelegt sind. Lure Coursing im Verein ist für viele Halter der ideale Zugang, weil der Hund seiner Natur nachgehen darf und der Halter lernt, den Reiz zu kontrollieren. Auch Hundedart — das ist ein sehr einsteigerfreundlicher Sport — funktioniert bei ruhigen, futterorientierten Individuen gut.

Was ich nicht empfehle: Joggen über längere Strecken. Das ist nicht das, wofür dieser Körper gebaut ist. Und Agility mit vielen schnellen Richtungswechseln auf hartem Boden — wegen der Stressfrakturen.

Was ich Ihnen als letzten Gedanken mitgebe

Der Whippet ist ein guter Hund für viele Menschen. Vielleicht für mehr, als die Rasse allgemein empfohlen wird. Er ist leise, anpassungsfähig, sauber, kuschelig und in einer Stadtwohnung glücklich, sofern der Halter die Grundlagen versteht.

Aber die Rasse verzeiht zwei Dinge nicht: die Annahme, man könnte den Jagdtrieb wegerziehen, und die Annahme, man könnte den Hund nach den eigenen Vorstellungen formen. Whippets funktionieren dann am besten, wenn man sie so nimmt, wie sie sind. Ein sprintschneller Hund mit begrenzter Kondition, der auf dem Sofa liegt und dabei aussieht, als hätte er nie im Leben einen Hasen gesehen.

Was ich nach neun Jahren am meisten über diese Rasse gelernt habe: Weniger Anstrengung meinerseits hat mehr bewirkt als mehr. Weniger Spaziergänge, weniger Kontrolle, weniger Erwartungen. Die Hunde danken es mit einer Ruhe, die ich bei keiner anderen Rasse kennengelernt habe.

Hendrik Scholz

Hendrik Scholz

Hendrik Scholz ist Journalist und befasst sich seit zehn Jahren mit den Themen Wohnen, Urlaub und Freizeit. In seinen Artikeln behandelt er Aspekte des Alltagslebens wie Einrichtung, Reiseplanung und Freizeitgestaltung. Seine Texte erscheinen in überregionalen Medien.

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